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Eine Prise amerikanischer Stil: Rootes’ „kühne“ Karosserieüberarbeitung für Hillmans kraftvolle Minx

Das amerikanische Automobildesign der 1950er Jahre war geprägt von breiten Karosserien und markanten Heckflossen — einzigartig, aber für die transatlantischen Nachbarn kaum nachzuahmen. Doch das hielt die Rootes Group, inzwischen Eigentümerin der Marke Hillman, nicht davon ab, ihre eigene Interpretation des Americana-Stils zu wagen.

 

Die treue Minx, ursprünglich 1931 vorgestellt, war das erschwingliche und zuverlässige Mittelklasse-Familienauto der Vorkriegszeit. Doch als eine neue Ära des Automobildesigns anbrach, begann Hillmans bewährtes Modell altbacken zu wirken. Sich von der Masse abzuheben war zudem schwierig. Der britische Nachkriegsmarkt brachte für die Durchschnittsfamilie meist eine Reihe unscheinbarer, beigefarbener Kisten hervor. Rootes entschied sich, mit dieser Konvention zu brechen. Ihre Antwort, die Minx für den modernen Autofahrer aufzufrischen, kam in Gestalt von Raymond Loewy. Der in Frankreich geborene amerikanische Industriedesigner hatte sich einen Namen für Schlichtheit und aerodynamische Linien gemacht. Sein Designbüro zeichnete verantwortlich für das 1949er Studebaker Starlight Coupé, spätere Commander-Modelle und (recht unkonventionell) die Neugestaltung der Coca-Cola-Konturflasche!

Seine neue, zeitgenössische Karosserie für die Minx war weniger ein Facelift als vielmehr eine komplette Überarbeitung. Der 1956er Mk1 zeigte Loewys typisches Gespür für Stromlinien in einer Form, die zugleich kantig und fließend war. Mit ovalen Rückleuchten, verchromtem Kühlergrill und großem Panoramafenster am Heck verlieh Loewy der in die Jahre gekommenen Minx eine dringend benötigte Frischzellenkur. Die Namenswahl „Audax“, lateinisch für „kühn“, war kaum übertrieben. Im Vergleich zu ihren amerikanischen Cousins blieb die neue Minx dennoch kompakter als die legendären „Landboote“ aus den USA.

 

Auch das Interieur wurde überarbeitet. Mit Chromverzierungen am Lenkrad und weißen Kederleisten auf den Ledersitzen war der Innenraum sowohl elegant als auch geräumig. Die selbsttragende Monocoque-Konstruktion ermöglichte einen niedrigeren Fahrzeugboden, was den Innenraum weiter vergrößerte. Dennoch musste der Fahrer im Basismodell die Kälte ertragen — eine Heizung kostete £15 10s Aufpreis! Technisch wurde die Minx für ihre Wirtschaftlichkeit gelobt. Rund £1,75 Millionen flossen in ein neues Werk zur Produktion eines OHV-Vierzylindermotors. Mit 51 PS war dieser Motor radikal modern im Vergleich zu den alten Seitenventiltypen. Schon die frühen Modelle boten eine komfortable Reisegeschwindigkeit von 60 mph und rund 30 mpg.

 

Auch international fand die Minx Anklang: Todd Motors in Neuseeland importierte und montierte sie als Humber 80. Unter Lizenz wurden zudem rund 57.729 Exemplare von Isuzu für den japanischen Markt gebaut. Ein voller Erfolg für Rootes also — insgesamt wurden bis in die 1960er Jahre 752.000 Fahrzeuge verkauft. Hillmans neu interpretierte, erschwingliche Minx — mit einem Hauch amerikanischen Stils. Wer könnte da widerstehen?

 

Text: Alexander Simmons-Miller

 

Publiziert:
Dienstag Oktober 28th, 2025

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