Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Viersitzige Autos aus den 1950er-Jahren, die sowohl schnell als auch sportlich sind, findet man nicht an jeder Straßenecke. Doch der Bentley S1 Continental Fastback ist genau so ein Exemplar – eine außergewöhnliche Verbindung aus britischer Noblesse, sportlicher Eleganz und seltener Exklusivität.
Von hinten betrachtet strahlt er pure Dynamik aus: scharf geschnittene Heckflossen und eine fließende Linienführung, die den Blick immer wieder fesselt. Unter der Motorhaube verbergen sich Kraft und Geschmeidigkeit, während das Interieur ganz in britischer Tradition gehalten ist – dickes Leder, edles Holzfurnier und ein Lenkrad von der Größe eines Bistrotisches. Genau so, wie es sich gehört.
Die Front wirkt klassisch – vielleicht sogar ein wenig zurückhaltend –, doch sobald man um das Fahrzeug herumgeht, verändert sich der Eindruck: elegante Linien mit einer sportlich-markanten Note. Fastbacks kennt man eher von amerikanischen Muscle Cars, doch dieser Bentley ist weit stilvoller, dezenter – und vor allem viel seltener. Nur 120 Exemplare wurden bei Mulliner gefertigt, mit einer Aluminiumkarosserie, die scheinbar mühelos den Wind durchschneidet.
Man kann sich gut vorstellen, wie viele Menschen kurz innehielten, wenn dieses Auto vorbeifuhr. Nicht mit dröhnendem Lärm, sondern mit jenem unverkennbaren britischen Charisma, das leise flüstert: „Schau ruhig noch einmal hin.“
Der Innenraum atmet britische Solidität. Man steigt ein, versinkt im Leder, und blickt über die lange Motorhaube hinweg auf das stolze, glänzende „B“ auf dem Kühlergrill. Man fühlt sich nicht wie ein Fahrer – sondern wie ein Gentleman auf Reisen.
Doch erst die Geschichte hinter diesem Bentley macht ihn wirklich besonders. Der heutige Besitzer brauchte fast ein ganzes Jahr, um die damalige Besitzerin – Baronin Royce – davon zu überzeugen, dass er der richtige Nachfolger für ihren Wagen sei. Es ging nicht ums Geld – das spielte keine Rolle. Es ging um Vertrauen. Denn dieser Bentley war seit 1967 im Familienbesitz. Die Baronin war damals 13 Jahre alt und konnte ihren Kummer kaum verbergen, als ihre Eltern den geliebten Jaguar Mk IX gegen den Continental eintauschten.
Ein dicker Ordner voller Dokumente erzählt das gemeinsame Leben von Baronin und Bentley: Kinderfotos, Urlaubsbilder, Clubtreffen – und sogar eine selbst verfasste Kolumne, in der sie die gesamte Geschichte des Wagens niederschreibt.
Im Jahr 1957 war dies das zweitteuerste Auto Großbritanniens – nur der Rolls-Royce Silver Wraith von Park Ward kostete mehr. Doch anstatt ihn in einer Garage zu verstecken, wurde der Bentley ganz selbstverständlich im Alltag genutzt: um die Baronin von der Schule abzuholen oder später ihre eigenen Kinder zu chauffieren. Nach der Jahrtausendwende wurde es Zeit für etwas Zuwendung – der Bentley wurde vollständig restauriert.
Heute steht er da: glänzend und stolz – in einer Reihe von Vorkriegs- und Nachkriegs-Bentleys. Und doch ragt er heraus – nicht nur durch seine Schönheit, sondern vor allem durch seine Geschichte.
Text von Laurens Klein, Fotos von Remi Dargegen