Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Eines der schönsten Dinge an einem Archiv ist, dass es immer wieder Überraschungen bereithält. Man taucht ein, um gezielt nach etwas zu suchen, und stolpert dabei über etwas völlig anderes – scheinbar irrelevant, aber dennoch höchst faszinierend. So entdeckten wir diese Fotos des wunderschönen HRG, die Sie hier sehen, und sie erinnerten uns sofort an eine Geschichte, die wir 2018 geschrieben haben.
Diese besondere Rennwagen-Kreation, bekannt als der Emperor Special und ehemals unter dem Kennzeichen TPD 168 registriert, ist von einem Hauch von Geheimnis und Intrigen umgeben – neben den Triumphen und Tragödien, die seine Geschichte prägen. Die Hauptfiguren in diesem Drama? Der Rennfahrer David Blakely und die Nachtclub-Hostess Ruth Ellis.
Aus unserem eigenen Artikel:
"Ellis wurde hingerichtet, nachdem sie ihren Verlobten Blakely am 10. April 1955 in aller Öffentlichkeit erschossen hatte. Blakely war der Stiefsohn von Sir Humphrey Cook, einem Förderer von ERA, und stammte aus einer wohlhabenden Familie. Er war leidenschaftlicher Motorsportfan und ließ sich ein spezielles Rennfahrzeug um einen neuen HRG 1500 Twin-Cam-Motor bauen, der in Straßenausführung angeblich 108 PS leistete. Das Auto wurde von einem befreundeten Aston-Martin-Ingenieur konstruiert und basierte auf einem Gitterrohrrahmen mit einer Volkswagen-Vorderachse, einer De-Dion-Hinterachse und einer Vollaluminium-Karosserie, die an eine Ferrari Monza erinnerte. Blakely investierte den Großteil seines Erbes in das Fahrzeug – sehr zum Missfallen von Ellis. Doch für ihn schien es das wert zu sein. Bei seinem Debüt beim Boxing Day Meeting in Brands Hatch 1954 belegte er einen respektablen zweiten Platz hinter dem Lotus Mk. VIII mit Connaught-Motor von John Coombs. Er nahm mit dem Wagen an mehreren Rennen teil, wobei jedes Rennen ihn finanziell immer weiter belastete. Seine Verlobte hatte schließlich genug. Wenige Tage vor einem Oster-Rennen, für das er das Auto gemeldet hatte, wartete sie vor einem Pub in Hampstead auf ihn. Als er herauskam, zog sie einen Smith & Wesson aus ihrer Handtasche und feuerte sechs Schüsse ab. Er starb auf dem Parkplatz."
Das Auto soll kurz nach dem Mord und der Hinrichtung von Ruth Ellis ohne seinen Motor verkauft worden sein. Ellis wurde damals als „die ruhigste Frau, die jemals am Galgen stand“ beschrieben. 1999 tauchte das Fahrzeug erneut auf – diesmal mit einem anderen Motor und dem neuen Kennzeichen VPX 66.
Schon vor fünf Jahren stellten wir uns die Frage: Was ist danach mit dem Auto passiert? Die Bilder aus unserem Archiv stammen ebenfalls aus dem Jahr 1999, kurz vor dem Verkauf – danach scheint es spurlos verschwunden zu sein. Ist es in jüngerer Zeit wieder aufgetaucht?
Text und Archivbilder: Jeroen Booij