Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Nach der Vorstellung des Lamborghini Miura im Jahr 1966 schien ganz Italien im Sportwagenfieber zu antworten. Maserati, Ferrari und Alfa Romeo präsentierten jeweils ihre eigene Interpretation, doch am stärksten profitierten wohl die kleinen Hersteller. Die italienischen Karosseriebauer schufen Automobile, die so futuristisch wirkten, dass sie selbst heute noch problemlos in einen Science-Fiction-Film passen würden. Es waren jedoch vor allem die kleinen Marken am Rande der Branche, die der italienischen Automobilszene ihren besonderen Charakter verliehen. Was die Etceterini in den 1950er-Jahren gewesen waren, wurden in den folgenden Jahren die Kleinserienhersteller exklusiver Supersportwagen. De Tomaso brachte mit Unterstützung von Ford den Pantera auf den Markt, während LMX, ATS, Iso, Serenissima und Bizzarrini jeweils ihre ganz eigene Handschrift hinterließen.
Und dann war da noch Intermeccanica. Die treibende Kraft hinter dem Unternehmen war allerdings kein gebürtiger Italiener. Frank Reisner war ein Kanadier ungarischer Abstammung, der 1957 sein erstes Automobil baute. Zwei Jahre später heiratete er Paula, und das Paar wählte Italien als Ziel seiner Hochzeitsreise. Es gefiel ihnen so gut, dass sie beschlossen zu bleiben. Reisner konstruierte zunächst einen kleinen Rennwagen für den Tuner Giannini, bevor er 1960 die Construzione Automobili Intermeccanica gründete. Sein erstes Projekt war ein kompaktes Coupé auf Basis der Technik von Steyr-Puch, das in kleiner Stückzahl entstand. Ernst wurde es, als International Motor Cars aus Kalifornien ihn bat, an der Entwicklung des eleganten Apollo mitzuwirken, der einen 3,5-Liter-Buick-V8 unter einer italienischen Karosserie vereinte. Es folgte eine Reihe faszinierender Exoten, darunter Mustang-Kombis, Griffith GT, Murena GT, Phoenix und Veltro, bis schließlich die Intermeccanica Italia zu dem Erfolg wurde, den Reisner sich erhofft hatte.
1969 klopfte dann Opel an die Tür. Der deutsche Hersteller suchte dringend nach einem sportlicheren Image, und der ambitionierte Vertriebschef Bob Lutz wandte sich an Reisner. Gemeinsam entwickelten sie eine modernisierte Version der Italia, nun wahlweise mit Chevrolet-V8 oder Opel-Reihensechszylinder, ausgestattet mit der Einzelradaufhängung der Hinterachse des Opel Diplomat und den notwendigen gestalterischen Bezügen zur Marke Opel. Franco Scaglione erhielt den Auftrag, die Karosserie zu entwerfen, und im November 1970 feierte die erste Intermeccanica Indra Premiere. Ihren Namen verdankte sie einem damals beliebten Nachtclub in Hamburg.
Die ersten 24 Fahrzeuge entstanden vollständig in Handarbeit, bevor die Fertigungslinie in Betrieb ging und schließlich zwei Automobile pro Woche produzierte. Wir sind überzeugt, dass genau diese frühe Phase auf den hier gezeigten Fotos festgehalten wurde: drei Indras im Bau in Turin, wobei das gelbe Exemplar vermutlich gerade erst die Lackiererei verlassen hat – der Farbnebel auf dem linken Vorderreifen spricht Bände. Kompliziert wurde die Situation, als Erich Bitter auf den Plan trat und Opel davon überzeugte, einen ähnlichen Sportwagen auf Basis des Diplomat zu unterstützen. Es folgte ein langwieriger Rechtsstreit, den Reisner letztlich verlor. Bis dahin hatte er jedoch bereits 128 Indras gebaut, bevor er in die Vereinigten Staaten übersiedelte.
Text: Jeroen Booij; Foto: Intermeccanica