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Bentley Specials der 1970er-Jahre: Vintage-Charme oder blanker Unsinn?

Ein Vintage-Bentley scheint heutzutage beinahe verpflichtet zu sein, eine Vanden-Plas-Le-Mans-Karosserie zu tragen und in Racing Green lackiert zu sein – inklusive künstlich gealterter Startnummern, Union Jacks auf den winzigen Türen und tief grollendem Fishtail-Auspuff. Ach du liebe Zeit. Die Zahl der Standard Saloons, Sports Saloons, Drophead Coupés und Fixed-head Coupés muss in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch geschrumpft sein, um all diese Le-Mans-Repliken hervorzubringen. Oder täuschen wir uns?

 

Tatsache ist: Bentley Specials sind keineswegs eine neue Erscheinung. Ende der 1960er- und während eines Großteils der 1970er-Jahre waren sie beinahe so modisch wie Schlaghosen. Meist basierend auf Mk-VI-Modellen mit verrotteten Karosserien, aber solider Technik, wurden diese damals günstigen Limousinen und Cabriolets zu leichten Sportwagen im sogenannten „Vintage“-Stil umgebaut. Heute wirken viele davon jedoch unerquicklich altmodisch, mit Kühlergrills, die oft zu weit vorne montiert sind, um glaubhaft wie echte Meisterwerke der Vorkriegszeit auszusehen. Vintage, ja – aber eben nicht ganz im Stil der 1920er-Jahre. Vielleicht eher „Neo-Classic“.

Zu den wichtigsten Karosseriebauern zählten Derry Mallalieu, Harry Rose, Syd Lawrence und Halse Engineering, die Aluminium- oder sogar Fiberglas-Aufbauten als Zweisitzer oder offene Tourer für eine spezielle Kundschaft fertigten, häufig auf verkürzten Fahrgestellen.

 

Auch der feine 4¼-Liter-Motor des Mk VI wurde gelegentlich modifiziert oder gar durch einen Daimler-Majestic-V8 ersetzt – wie es Ingenieur und Konstrukteur John Edwin Thomas berühmt machte. Morgan-Rennfahrer und Tuner Chris Lawrence bot seine eigene leistungsgesteigerte Version des Reihensechszylinders an, komplett mit vier SU-Vergasern und Salisbury-Differenzial. Geoffrey Shrive aus Harlington offerierte zudem Coupé-Varianten, während Alan Padgetts Specials mit V-förmigen Windschutzscheiben und maßgeschneiderten Tourer-Karosserien auffielen.

Sind dies Großbritanniens Antwort auf Excalibur und Clénet? Und wie stehen wir heute eigentlich zu ihnen?

 

Text: Jeroen Booij
Fotos: H&H, Historic Auctioneers, Bring a Trailer, Graeme Hurst, Trade Classics

 

Publiziert:
Dienstag Juni 9th, 2026

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